Werraflößerei - ein besonderes Erlebnis

Die Ursprünge der Werrafloßfahrt reichen bis ins Mittelalter zurück. Die Flöße dienten vorrangig dem Holztransport, wobei anfänglich wahrscheinlich oft Scheitholz- oder Triftflößerei betrieben wurde. Die erste urkundliche Erwähnung von Langholzflößen auf der Werra ist aus dem Jahre 1563 bekannt. Vom Oberlauf der Werra wurde das Holz mit kleineren (Halbe-, Dreiviertel-)Flößen bis zum Hauptfloßplatz nach Wernshausen gebracht, wo die Werraflöße mit einer Standardgröße von 18-20 m Länge und ca. 3,5 m Breite zusammen gebaut wurden (Maße bis heute beibehalten). Von dort begann die eigentliche Werraflößerei bis Hann. Münden, wo die Flöße verkauft wurden. Von da an wurden meist 5 Werraflöße zu einem Weserfloß vereinigt und bis Bremen gebracht. Die Flößer wanderten zurück in ihren Heimatort, um möglichst schnell eine neue Fahrt anzutreten. Zur Blütezeit der Werraflößerei, um 1850 wurden in einer Saison (März bis November) zwischen 2.000 u. 3.000 Flöße befördert. Mit dem Bau der Werrataleisenbahn wurde die reine Holzflößerei immer unlukrativer.

In den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts begann man die Flößerei für Freizeitvergnügungen und Tourismus zu entdecken. Dieser Lichtblick für die Zukunft der Werraflößer wurde allerdings mit dem Beginn des 2. Weltkrieges zunichte gemacht. Gegen Ende des Krieges wurde das Werratal gerade in unserer Region ein hart umkämpfter Kriegsschauplatz. Durch die anschließende Teilung Deutschlands und den Aufbau der innerdeutschen Grenze war an eine Wiederaufnahme der Flößerei nicht zu denken, zumal auch noch die Grenze an vielen Abschnitten in der Flussmitte verlief. Nach der Wiedervereinigung war es endlich wieder möglich in unserer Region die Werra mit Flößen zu befahren. Nach zögerlichen Versuchen in den 90er Jahren gibt es seit dem Jahr 2000 mit der Gründung des Unternehmens „Flößerei Deiß“ wieder gewerbliche Flößer auf der Werra. Weitere Floßfahrtangebote siehe Bootstouren.