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© Museum Kloster Vessra

Per Mausklick durch das Hennebergische Museum Kloster Veßra

22. Dezember 2021

Mit einem Mausklick von der Klosterruine in den zweiten Stock der Fachwerkmühle springen und sich danach auf einen großen Platz mitten im Fachwerkensembles des Freilichtmuseums klicken, wo man sich von einer Mitarbeiterin in einem Video die Entstehung des Fachwerkensembles des Museums erklären lässt. Was bislang nur in großen renommierten Museumshäusern möglich war, funktioniert nun auch im Hennebergischen Museum Kloster Veßra. Das Freilichtmuseum gehört seit einigen Tagen zu einer neuen Generation virtueller Museen, die täuschend echt mit dem Computer vom Sofa im eigenen Wohnzimmer aus erkundet werden können.

Die Corona-Krise und die damit verbundene Schließung der Kulturinstitutionen hat bei der Digitalisierung in vielen Museen für einen „Beschleunigungseffekt“ gesorgt. Ein Ergebnis davon ist nun in Kloster Veßra zu bestaunen, wo man gerade ganz neue Wege zur Wissens- und Kulturvermittlung beschreitet.
Ideen für neue Formen der Vermittlung und für die Gewinnung von digitalen Besucher*innen hatte das Museumsteam schon vor dem aktuellen Projekt während der ersten coronabedingten Schließzeit im Frühjahr 2020. So werden seitdem auf den sozialen Plattformen Facebook, Twitter und Instagram vermehrt Angebote zum Basteln und Erkunden veröffentlicht. Um der Flüchtigkeit der sozialen Medien entgegenzuwirken, hat das Museum im zweiten Lockdown einen Museumsblog (www.museumklostervessra.de/blog-2) auf der eigenen Homepage etabliert. Unter den Rubriken „Bunt erklärt“, „Handgemacht“, „Herzstück Sammlung“ und „Vorhang auf“ finden verschiedene Interessen- und Altersgruppen nun Spannendes und Informatives sowie kreative Ideen zum Basteln und Mitmachen.

Nun ist das Museum einen weiteren Schritt gegangen und hat ein großes digitales Projekt in Angriff genommen, mit dem das gesamte Museum virtuell besuchbar wird. Damit leistet das Museum einen Beitrag für einen barrierefreien Zugang und für eine Teilhabe an Kunst und Kultur für alle Altersgruppen, Schulklassen, Menschen mit Behinderungen und Covid-19-Risikogruppen. Dafür ist Mitte Juni an zwei Tagen das gesamte Museumsgelände mit seinen 6000 Quadratmetern Ausstellungsfläche per Kamera von 700 Aufstellpunkten aus gescannt worden. Die entstandenen Kugelpanoramen wurden zu einer Pixel-Wolke verbunden. Dadurch können die digitalen Besucher*innen sich nicht nur an einem Punkt im Raum drehen, sondern virtuell durch das ganze Museum laufen und sich sogar wie beim echten Rundgang über Vitrinen beugen oder Texttafeln genau lesen.
Ein weiterer Clou: An verschiedenen Plätzen im Museumsgelände, an markanten Stellen, unter anderem vor und in der Henneberger Kapelle, treffen die Besucher*innen auf Museumsmitarbeiter*innen, die in kurzen Videos Einführungen und detaillierte Informationen zu verschiedenen Ausstellungsobjekten geben. Insgesamt fünf Mitarbeiter*innen haben an den 17 bisher zur Verfügung stehenden Videoclips mitgewirkt.

Dabei soll es aber nicht bleiben. Das Museum will im Laufe der Zeit das Angebot innerhalb dieses neuen Formates erheblich erweitern. Neben weiteren Videos sind auch interaktive Spiele für Kinder angedacht. Besonders für Kinder lassen sich ganz neue Angebote, wie zum Beispiel virtuelle Klassenfahrten, schaffen, in denen die Museumspädagog*innen ihre Projekte online umsetzen. Vor dem Erfahrungshintergrund der vergangenen zwei Pandemiejahre kein unrealistisches Szenario mehr. Ebenso kann das Museum seine Themenführungen nun ins Digitale verlagern und somit Angebote für Menschen schaffen, die aus unterschiedlichsten Gründen das Museum nicht real besuchen können.

Der Impuls zu diesem Digitalisierungsprojekt kam durch den Austausch mit den Kolleg*innen des Klosters Michaelstein in Sachsen-Anhalt, wo ein solches Projekt bereits Ende 2020 erfolgreich umgesetzt wurde. Auf der Plattform www.museum-virtuell.com ist das Hennebergische Museum Kloster Veßra neben Kloster Michaelstein als eines von sechs Klöstern digital zu besichtigen. Es bietet jedoch bedeutend mehr, als nur Klosterarchitektur und Klostergeschichte, warten im Freilichtmuseum neben dem spannenden Klosterkomplex doch zusätzlich das Fachwerkensemble mit seinen umgesetzten Häusern sowie der große Ausstellungsbereich „ErlebnisLandwirtschaft“ auf die virtuellen Besucher*innen.

Langfristig soll diese neue Plattform nicht nur Lust auf einen realen Museumsbesuch in Kloster Veßra machen. Über Eintrittsgelder, Führungen und museumspädagogische Projekte sollen ebenfalls die Einnahmen des Museums erhöht und eine höhere Reichweite sowie ein größerer Bekanntheitsgrad erzielt werden.
Kurzfristig hat das Museumsteam aber die Entscheidung getroffen, in der bevorstehenden Weihnachtszeit und solange das Museums coronabedingt geschlossen ist, allen Museums- und Kulturfreunden einen kostenfreien virtuellen Besuch im Museum zu ermöglichen. In Zeiten geschlossener Kultureinrichtungen und bestehender Kontaktverbote sieht das Museum dies als kleines Weihnachtsgeschenk für alle Freunde und Unterstützer des Hennebergischen Museums Kloster Veßra sowie für all jene, die es werden wollen.

Der virtuelle Zugang zum Museum ist über www.museum-virtuell.com/kloster-vessra/ möglich. Das Museum freut sich über viele Besucher*innen und natürlich auch darüber, dass der Besuch des Museums weiterempfohlen wird – egal ob real oder virtuell.